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Silver Surfer: Wie Senioren das Internet nutzen Drucken E-Mail
erschienen auf mp dpa am 11.02.2004
Link:    Titel: Silver Surfer: Wie Senioren das Internet nutzen
Qelle: mp dpa
Erscheinungsdatum: 11.02.2004
Inhalt:
Silver Surfer: Wie Senioren das Internet nutzen

Angesichts der wachsenden Zahl älterer Menschen in Deutschland müsste es eigentlich eine Flut von Internetseiten für Ältere geben. Doch seit zwei Jahren stagniert die Anzahl deutschsprachiger Portale für über 50-Jährige. Bestehende Angebote kämpfen um die nur leicht steigende Zahl reifer Onliner. Besonders beliebt sind Seiten mit praktischem Wert, denn Ältere sehen im Internet mehr ein Nutzmedium als ein Unterhaltungsmedium.

Einkaufen, Reisebuchungen und E-Mail-Austausch sind Margrit Wesener zufolge die Hauptinteressen der über 50-Jährigen beim Surfen im Internet. Wesener leitet seit zwei Jahren Einsteigerkurse an der Computerschule für Senioren "Silbermedia" in Berlin. "Wir haben Kursteilnehmer von Mitte 50 bis 80 und einen sehr hohen Frauenanteil" erklärt sie. "Frauen kaufen gerne Lebensmittel online ein, besonders schwere Dinge wie Getränke." Zu den Lieblingsseiten der Kursteilnehmer zählen auch die Seiten der Verkehrsbetriebe mit ihren Fahrplänen und die Seiten großer Reiseveranstalter.

"Neben dem praktischen Nutzen ist es für Ältere am wichtigsten, dass die Seiten ruhig und übersichtlich gestaltet sind", sagt Margrit Wesener. "Es verwirrt die Leute, wenn es überall blinkt und Fenster aufspringen." Ein lobenswertes Vorbild in Sachen Gestaltung sei das Seniorenportal unter www.lebensphasen.de. Die Farbkontraste sind extra stark und die Schriftgrößen veränderbar. Die meisten Bereiche sind zudem ohne Registrierung zugänglich. Dadurch wird man auch von lästigen Werbemails verschont.

Überweisungen, Mails und mehr

Viele von Weseners Kursteilnehmern machen Überweisungen online, weil Bankgebühren gestiegen sind und immer mehr Filialen schließen. Sehr beliebt sei auch das Versenden von E-Mails von der kostenlosen E-Mail-Adresse, die jedermann zum Beispiel über http://web.de oder www.gmx.de bekommt. Michael Doh, am Deutschen Zentrum für Alternsforschung (DZFA) in Heidelberg zuständig für Senioren und Medien, bestätigt diese Beobachtung: "80 Prozent der so genannten Onliner über 50 schreiben mindestens einmal pro Woche eine E-Mail."

Doch vielen Älteren ist die Internetwelt grundsätzlich fremd geblieben. "Der Anteil Älterer an den Onlinern steigt zwar, allerdings weniger stark als ihr Anteil an der Bevölkerung", erklärt Doh. Derzeit ist die Altersgruppe "50 plus" deutlich seltener im Web unterwegs als jüngere Menschen, wie eine aktuelle Studie des Marktforschungsinstituts Forsa in Berlin zeigt: Während in der Altersgruppe von 14 bis 49 Jahren schon 70 Prozent zu den Onlinern zählen, gilt dies bei den über 50-Jährigen nur für 25,1 Prozent.

7 Millionen Silver Surfer

Nach den Ergebnissen der Studie gibt es knapp sieben Millionen "Silver-Surfer" in Deutschland. Dabei entfallen 4,2 Millionen auf die 50- bis 59-Jährigen, 2,5 Millionen auf die 60- bis 69-Jährigen und nur 0,4 Millionen auf die über 70-Jährigen.

Dabei ist das Internet laut Alternsforscher Doh auch für betagte Menschen interessant. Der Online-Einkauf könne zur Erhaltung der Selbstständigkeit im eigenen Haushalt beitragen, das Internet sei ein kostengünstiges Informationsmedium, und es biete die Möglichkeit, trotz körperlicher Einschränkungen am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. "Per E-Mail oder Chat können bestehende Beziehungen, zum Beispiel zu den Enkeln, gepflegt und neue geknüpft werden".

Kontaktbörse beliebt

Das Forum für Senioren etwa bietet Chats, Foren und Regionalgruppen, die das Kennenlernen auch in der realen Welt erleichtern. "Ein sehr beliebter Bereich ist unsere Kontaktbörse "Späte Liebe"", sagt Daniel Reinartz von der Pieper & Reinartz GbR in Neunkirchen-Seelscheid (Nordrhein-Westfalen). Eine neue Kontaktbörse für Ältere bietet auch der Anbieter " Der Zweite Frühling ", die Dienste sind allerdings kostenpflichtig.

Bei www.senioren-initiativen.de stehen nicht Zweierbündnisse, sondern größere Zusammenschlüsse älterer Menschen im Vordergrund. Gegliedert nach Themenbereichen wie Politik, Kultur und Bildung, finden Interessierte mehr als 700 Senioreninitiativen, darunter auch viele regionale Computerclubs.

Auf der weltweit größten Computermesse CeBIT in Hannover (18. bis 24. März) werden die großen Seniorenportale überwiegend nicht vertreten sein. Auch Feierabend.com, die nach eigenen Angaben größte deutschsprachige Community für über 50-Jährige, wird dort keinen Stand haben. Unter www.feierabend.com soll es aber eine Rubrik geben, in der über Neuheiten auf der CeBIT berichtet wird, die für Senioren interessant sind.
 

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